• Wollen Sie ein Adler sein?

    Beim Coaching wird ja gerne mal mit großen Tieren gearbeitet. Da gibt es Löwen die sich nicht daran stören was eine Antilope über sie denkt oder Adler die majestätisch über allem schweben. Und auch wenn es kein Tier ist, so kennen Sie sicher auch die deutsche Eiche, die sich nicht darum schert, wenn sich die Wildsau an ihr scheuert. Sicher alles gute Bilder um Menschen zu motivieren und ihnen zu verdeutlichen, dass sie sich nicht so viel um andere kümmern sollten.

    Nun, während ich das hier schreibe sitze ich in meinem Wohnmobil, welches auf der Insel Senja steht. Eine wirklich wunderschöne kleine Insel in Nord-Norwegen mit türkisfarbenem Wasser und (sehr kleinen) weißen Stränden. Hier ist die Welt noch ein wenig mehr in Ordnung als anderswo. Und daher gibt es hier auch noch Seeadler.

    Gestern habe ich meinen ersten Seeadler in freier Wildbahn gesehen. Bitte stellen Sie sich das vor, ein riesiges Tier, locker doppelt oder dreifach so groß, wie die Möwen um ihn herum. Er glitt elegant durch die Lüfte – ein erhabener Anblick. Ich war wirklich fasziniert. Hm, aber irgendwas stimmte nicht. Ich war der einzige der beeindruckt war. Die Möwen, Krähen und Seeschwalben, die hier noch so rumfliegen, waren nicht beeindruckt. Sie haben ihn die ganze Zeit beschimpft und griffen ihn an. Zwar fliegen Möwen und Krähen nur Scheinangriffe, aber Seeschwalben können wirklich nerven. Die versuchen nämlich auch mal zu picken. Na ja, ehrlich gesagt wirkte es dann auch nicht mehr so elegant, wie der Adler durch die Gegend flog und ständig versuchte seinen Angreifern auszuweichen.

    Coaching und Adler

    Aber was hat das nun mit Coaching zu tun? Eine ganze Menge, glaube ich. Zum Ersten sind viele der „majestätischen Bilder“ die wir nutzen vielleicht doch eher einfach nur Konstrukte, die wir uns ausgedacht haben und die nicht viel mit der Realität zu tun haben. zum Zweiten kann man daraus lernen, dass sich der Rest der Natur einfach nicht darum kümmert, wie groß oder majestätisch etwas ist. Die ganzen anderen kleinen Vögel müssen nicht viel Angst vor dem Adler haben. Ja, er ist größer und kräftiger und könnte sie sicher ohne Probleme niederstrecken – aber er ist zu behäbig. Er kann sie gar nicht fangen. Daher können sie ihn die ganze Zeit beschimpfen und attackieren und abends im Nest stolz erzählen, wie sie ihm zugesetzt haben.

    Adler machen Adler-Sachen

    Der dritte Punkt ist aber vielleicht der interessanteste. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung was so ein Adler denkt. Was ich aber weiß ist, dass er einfach weiter seinen Job macht. Adler machen halt Adler-Sachen, weil sie nichts anderes (gut) können. Somit fliegt er weiter auf der Jagd nach Fischen durch die Gegend. Die anderen Vögel machen dann halt „Andere-Vögel-Sachen“ zu denen es eben auch gehört den Adler anzugreifen. Dabei macht der Adler ja einfach nur seinen Job – also das was die Natur ihm vorgibt. Anders gesagt: Wenn Sie Ihren Job machen und einfach nur Ihrem Stern folgen, dann wird es auch immer so sein, dass es Menschen gibt, die Sie angreifen. Das ist nicht zu verhindern. Aber im Endeffekt können Sie nicht mehr tun als das was „die Natur Ihnen vorschreibt“. Wenn ich schreibe „was die Natur Ihnen vorschreibt“, dann meine ich damit Dinge, die für Sie persönlich wichtig sind und die Sie erfüllen. Im Gegensatz zu unserem Adler könnten Sie sich natürlich auch anders entscheiden und etwas machen bei dem sie nicht so sehr ins Kreuzfeuer kommen. Aber macht Sie das dann glücklich?

    Aber kommen wir auf den Adler zurück… Stellen Sie sich vor, er hat keine Lust mehr darauf von den anderen angegriffen zu werden und macht ab sofort keine Adler-Sachen mehr, sondern nur noch Fuchs-Sachen. Er ist also ab sofort Fußgänger und versucht Mäuse zu fangen. Vielleicht kann er damit sogar überleben, aber es wäre ein bemitleidenswerter Anblick und er würde keinen guten Job machen. Adler müssen halt Adler-Sachen machen, auch wenn der Rest der Vogelwelt sie dann beschimpft und ständig attackiert. Folgen Sie also auch Ihrem Stern und versuchen Sie nicht jemand anderes zu sein. Versuchen Sie nicht ein Adler zu sein, wenn Sie eigentlich ein schlauer Fuchs sind und versuchen Sie kein Fuchs zu sein, wenn Sie ein Adler sind. Seien Sie einfach nur Sie selbst und machen Sie das was SIE am besten können!

    Ach und noch ein kleiner Nachsatz… Wenn der Adler und die anderen Vögel sich abends bei einem Bier mal am Lagerfeuer zusammensetzen und plaudern würden, dann würde es sicher viel weniger Ärger geben. Wenn Sie also das nächste Mal anfangen einen „Adler“ zu beschimpfen, nur weil er anders und vielleicht größer ist, dann versuchen Sie ihn und sein Handeln einfach mal zu verstehen. Er macht halt nur seine Adler-Sachen und darüber müssen Sie sich nicht aufregen. Er hat nichts gegen Sie persönlich.

    Sollten Sie ein Adler sein und andere „Vögel“ greifen Sie an, nur weil Sie überhaupt existieren, dann ist das halt so. Die machen halt „Andere-Vögel-Sachen“ und dazu gehört eben auch sie zu beschimpfen. Machen Sie dann einfach weiter Ihre Adler-Sachen und versuchen Sie nicht zum Fuchs oder gar zum Hasen zu werden. Suchen Sie sich lieber andere Adler, mit denen Sie sich dann austauschen können. Oder, Sie reden Sie mit den anderen Vögeln und erklären denen, dass sie gar nichts von denen wollen und dass Sie ja auch nichts dafürkönnen, dass sie so groß sind. Ist halt einfach nur Ihre Natur und der müssen Sie folgen.